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Der Vorsitzende des Adecco Institute zum Thema Kurzarbeit
London, 5. Februar 2009:
Die deutsche Wirtschaft befindet sich in der schwersten Krise der Nachkriegsgeschichte. Auch der Arbeitsmarkt ist mittlerweile betroffen. Unternehmen kommen an Personalanpassungsmaßnahmen nicht vorbei. Hunderttausende zusätzlicher Arbeitslose sind für dieses Jahr prognostiziert.
Dank der Reformen im Rahmen der Agenda 2010 dürften sich die Auswirkungen allerdings in Grenzen halten. Der Arbeitsmarkt steht strukturell und in Bezug auf seine Rahmenbedingungen heute besser da als vor dieser Zeit.
Ein geeignetes Instrument, den Abstieg am Arbeitsmarkt abzumildern, ist zweifelsohne das Modell der Kurzarbeit. Sie kommt vor allem jenen Unternehmen entgegen, die ihre qualifizierten Mitarbeiter trotz schwächerer Auftragslage möglichst lange halten und sie in der Flaute zusätzlich qualifizieren statt sie zu entlassen. Durch eine voreilige Entlassung von Mitarbeitern und die abermalige aufwändige Rekrutierung und Schulung nach der Krise könnte der Anschluss in Zeiten des Aufschwungs verpasst werden.
Es kommt hinzu, daß auch die massive Wirtschaftsschwäche, mit der wir gegenwärtig konfrontiert sind, die Auswirkungen des demografischen Wandels zwar in den Hintergrund drängen, aber ihm nicht abhelfen. Besonders mittelständische Unternehmen klagen weiterhin über einen Mangel an Fach- und Führungskräften. Sicher ist: Sobald der nächste Aufschwung einsetzt, wird diese Schwachstelle des Arbeitsmarktes wieder voll zum Tragen kommen.
Daher ist die Forcierung und weitere Deregulierung des Kurzarbeitmodells durch die Bundesregierung – u. a. im vom Kabinett verabschiedeten Konjunkturpaket II – zu begrüßen. Vor diesem Hintergrund ist es auch unter dem Gesichtspunkt der Schadensvorsorge zu begrüßen, dass der Gesetzgeber den Bezug von Kurzarbeitergeld weiter erleichtert, indem die von den Unternehmen zu tragenden Sozialversicherungsbeiträge halbiert oder gar erlassen werden, wenn gleichzeitig Qualifizierungsangebote wahrgenommen werden. Vereinfachte Antragsverfahren – erleichterte Antragsvoraussetzungen und die Aussetzung der „Drittelregelung“ – werden sich positiv auswirken.
Allein Mitarbeiter auf der betrieblichen Payroll zu halten, wird nicht ausreichen. Zusätzliche Qualifizierung ist erforderlich, um dem Fachkräftemangel von morgen entgegen zu wirken. Zu befürworten ist daher, dass die Qualifizierungsprogramme der Bundesagentur geöffnet und aufgestockt werden. Hierdurch werden nicht nur unqualifizierte Mitarbeiter gefördert, sondern Facharbeiter weiter qualifiziert – und dies nun unabhängig von Alter und Betriebsgröße. Die in diesem Zusammenhang vorgesehenen zusätzlichen Mittel für das Förderprogramm WeGebAU können hierbei allerdings nur ein Einstieg sein, eine breit angelegte – von der Bundesagentur für Arbeit unterstützte – Bildungsoffensive wäre sehr begrüßenswert.
Auch die von der Regierung im Rahmen des „Paktes für Beschäftigung und Stabilität“ beabsichtigten Maßnahmen für die Zeitarbeitsbranche sind zielführend. Denn Zeitarbeit kann nicht nur in einer Aufschwungphase durch die vermehrte Schaffung von Arbeitsstellen Flexibilität bieten, sie kann auch in Krisenzeiten wie diesen dem Arbeitsmarkt die notwendige „Atmung“ verschaffen. Diese Atmung muss verträglich und zukunftsweisend gestaltet werden. Es ist nicht damit getan, dass Unternehmer im ersten Schritt ihres Krisenmanagements ihre Zeitarbeitskräfte fortschicken.
Daher ist es richtig, dass die Bundesregierung auch die Zeitarbeit in das Kurzarbeitmodell aufgenommen hat. Wichtig ist nur, dass auch hier letzte Hürden noch beseitigt werden wie die einzig für die Zeitarbeit geltende Voraussetzung, dass Kurzarbeitergeld nur bei hundertprozentigem Arbeitsausfall gewährt wird. Hierdurch wird die Anwendung der Kurzarbeit in der Zeitarbeitsbranche deutlich erschwert, die ja als Arbeitgeber zunächst die von den Kundenunternehmen freigesetzten Zeitarbeiter aufnehmen.
Wird die Zeitarbeit dann in die Lage versetzt, die Krisen- und Kurzarbeitphase ihrer Mitarbeiter mit Qualifizierung zu kombinieren, kann sie eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Krise und der Unterstützung des folgenden Aufschwungs spielen. Gerade Zeitarbeitsunternehmen kennen den Markt und die Bedürfnisse der Unternehmen und können ihre Mitarbeiter mit Hilfe der im Qualifizierungspakt beschlossenen und weiterhin erforderlichen Qualifizierungsoptionen fit für den nächsten Aufschwung machen.
Über das Adecco Institute:
Das Adecco Institute, gegründet 2006 mit Sitz in London, ist Ideenfabrik zur Zukunft der Arbeit. Ziel des Adecco Institute ist es, eine Führungsrolle in der Diskussion über die Themen Arbeit und Beschäftigung zu übernehmen. Durch Forschungsarbeiten, Weissbücher und Diskussionsforen erarbeitet das Adecco Institute Modellvorschläge, die Unternehmen und Volkswirtschaften helfen sollen, Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit zu steigern.
www.adeccoinstitute.com
Pressekontakt:
Shepard Fox Communications
Axel J. Schafmeister
Tel.: +41 44 252 0708
axel.schafmeister@shepard-fox.com
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